
catalaix
Die meisten chemischen Produkte landen am Ende ihrer Lebenszeit im Abfall. Ein Team um Regina Palkovits und Jürgen Klankermayer von der RWTH Aachen will das ändern. Im WSS-Forschungszentrum «catalaix» entwickeln sie Katalyse-getriebene Produktionsverfahren, die eine mehrdimensionale Kreislaufwirtschaft in der chemischen Industrie ermöglichen.
Aus Plastikmüll könnten dereinst vielseitig einsetzbare, hochwertige chemische Grundbausteine entstehen: Das WSS-Forschungszentrum «catalaix» an der RWTH Aachen entwickelt Katalyse-getriebene Recyclingverfahren, die eine mehrdimensionale Kreislaufwirtschaft ermöglichen.
«catalaix» ist das Siegerprojekt des Ideenwettbewerbs, den die Werner Siemens-Stiftung (WSS) anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens im Jahr 2023 ausgeschrieben hatte. Die WSS unterstützt das Forschungszentrum mit insgesamt 100 Millionen Schweizer Franken über einen Zeitraum von 10 Jahren. Ziel des ambitionierten Projekts ist nichts weniger, als eine Revolution der chemischen Industrie.
Heute wandelt die chemische Industrie hauptsächlich erdölbasierte Rohstoffe mit ausgeklügelten Verfahren in die unterschiedlichsten Produkte um. Ein Grossteil dieser Produkte landet am Ende ihrer Lebenszeit im Abfall. Das möchte das Forschungsteam um Regina Palkovits und Jürgen Klankermayer von der RWTH Aachen ändern – mithilfe von massgeschneiderten Katalysatoren, welche solche Produkte in molekulare Bausteine zerlegen, die sich in eine mehrdimensionale Kreislaufwirtschaft einspeisen und wieder verwerten lassen.
Zunächst legen die Forschenden ihren Fokus auf die Kunststoffindustrie. Diese Branche verbraucht riesige Energiemengen, verursacht grosse CO2-Emissionen und hinterlässt Abfallberge in der Umwelt. Heute werden 400 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr produziert – bis 2050 dürften insgesamt 16 Gigatonnen Kunststoffe zusammenkommen, so viel wiegen alle Menschen, Tiere und Pilze auf der Erde gemeinsam. Nur etwa neun Prozent aller Kunststoffe werden rezykliert.
Mit einer ganzen Palette an Werkzeugen arbeitet das «catalaix»-Team an einer mehrdimensionalen Kreislaufwirtschaft nach dem «Open-Loop-Prinzip». Das bedeutet: Durch Katalyse-getriebenes Recycling werden molekulare Bausteine hergestellt, die derartig vielseitig einsetzbar sind, dass sie sich in verschiedene Wertschöpfungsketten und Materialkreisläufe einspeisen lassen.
Zahlen und Fakten
Projektleitung
Prof. Dr. Jürgen Klankermayer, Lehrstuhl für Translationale Molekulare Katalyse, RWTH Aachen
Prof. Dr. Regina Palkovits, Lehrstuhl für Heterogene Katalyse und Technische Chemie, RWTH Aachen
Projekt
Das WSS-Forschungszentrum «catalaix» entwickelt katalytisch getriebene Verfahren, die eine mehrdimensionale Kreislaufwirtschaft in der chemischen Industrie ermöglichen. Einen Schwerpunkt legt das Team um Regina Palkovits und Jürgen Klankermayer von der RWTH Aachen dabei zunächst auf Kunststoffgemische.
Mittel der Werner Siemens-Stiftung
100 Mio. Schweizer Franken
Projektdauer
2024–2034